Geschichte der Schlafmedizin

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In früheren Kulturen brachten die Menschen in ihrer Vorstellung den Schlaf oft in eine enge Verbindung mit dem Tod. So ist der Gott des Schlafes in der griechischen Mythologie Hypnos der Zwillingsbruder des Gottes des Todes Thanatos. Die Menschen versuchten immer wieder eine Erklärung für das Phänomen des Schlafes bzw. Schlafens zu finden.

Schlaf sei das Resultat voller Blutgefäße im Gehirn, lautete eine frühe Erklärungstheorie aus vorchristlicher Zeit. Die Adern würden sich im Tagesverlauf mehr und mehr füllen, bis man schließlich einschläft. Während des Schlafes würden sich die Gefäße dann langsam wieder entleeren, wodurch dann erneut der Wachzustand wieder hergestellt werden würde.

Andere sahen einen Bezug zwischen Nahrungsaufnahme und Müdigkeit, was sie zur Annahme verleitete, dass langsam ins Gehirn aufsteigende Verdauungsdämpfe ursächlich für den Schlaf wären.

Zu Beginn des 20. Jahrhundert stellte man die These auf, dass sich im Organismus während des Wachphase ein Giftstoff bildet. Diesen Giftstoff bezeichnete man als Hypnotoxin. Man ging davon aus, dass die Anreicherung von Hypnotoxin im Körper für Einsetzen des Schlafes verantwortlich sei.

Geschichte der Schlafmedizin – Zeitenwende

Geschichte der SchlafmedizinDer wichtigste Grundstein für die moderne Schlafmedizin bzw. Schlafforschung wurde im Jahr 1875 gelegt, als Richard Caton die elektrische Aktivität im Gehirn entdeckte. Caton verstärkte die schwach ausgeprägten elektrischen Ströme im Großhirn von Tieren und konnte so die Hirnzellenaktivität sichtbar machen. 1929 schaffte es der aus Jena stammende Psychiater Hans Berger diese elektrischen Ströme auch von der menschlichen Kopfhaut abzuleiten. Das Elektroenzephalogramm (kurz: EEG) wurde zur Basis für die Schlaferforschung, weil die hirnelektrische Aktivität unterschiedliche Muster in Abhängigkeit vom Bewusstseinszustand des Menschen zeigt.

Geschichte der Schlafmedizin – Nathaniel Kleitmann

Ein unumstrittener Pionier in der Schlafmedizin ist der 1895 in Russland geborene Nathaniel Kleitmann. Er war als Arzt in Palästina tätig und floh im Zuge des Ersten Weltkrieges in die USA, wo er an der Universität von Chicago Professor für Physiologie wurde. Kleitmann war der Erste, der sich fortwährend mit der Schlafforschung befasste. 1939 veröffentlichte Nathaniel Kleitmann das zu dieser Zeit umfangreichste Werk über den Schlaf „Sleep and Wakefulness“.

Weltruhm erlangte Kleitmann schließlich mit der Entdeckung der schnellen Augenbewegungen während der Traumschlaf-Phase – Rapid Eye Movements, REM. Schon früher war ab und an darüber berichtet worden, dass bei einschlafenden Menschen unter den geschlossenen Lidern des Auges rollende Augenbewegungen erkennbar seien. Damit niemand die ganze Nacht über die Augen von Probanden im Blick haben musste, beauftragte Kleitmann seine Studenten damit, Sensoren dicht an den Augen anzubringen, welche die elektrische Aktivität der sich bewegenden Augen registrieren und aufzeichnen konnten. Während dieser Untersuchungen stellte Kleitmann fest, dass sich die Augen nicht nur in der Einschlafphase unter den Lidern bewegten, sondern auch wiederholt während des Schlafes. Er bemerkte außerdem, dass die späteren Augenbewegungen wesentlich schneller als die Augenbewegungen beim Einschlafen waren.

Zunächst wurde der Entdeckung der REM keine besondere Wichtigkeit zugeschrieben. Dann gab es allerdings Mutmaßungen, dass es einen Zusammenhang zwischen den schnellen Augenbewegungen und dem Träumen geben könnte. Zu diesem Zeitpunkt – 1952 – fand keine vollständige Aufzeichnung der nächtlichen Hirnströme und Augenbewegungen statt. Um die These der Verbindung zwischen Traum und schnellen Augenbewegungen zu untermauern, weckte man die Probanden während einer REM-Phase. Sie berichteten dann auffallend oft von direkt vorher erlebten Träumen, was die Theorie weiter bekräftigte.

Geschichte der Schlafmedizin – William Dement

Als William Dement – ein Student von Kleitmann – 1953 damit anfing, die Hirnströme und Augenbewegungen der ganzen Nacht bzw. des kompletten Schlafes aufzuzeichnen, konnte er feststellen, dass bestimmte Hirnstrom-Muster einem organisierten Ablauf zu folgen schienen. Dement nahm eine Unterteilung der Muster in vier unterschiedliche Kategorien (Schlafstadien) vor. In keiner dieser Kategorien konnte William Dement schnelle Augenbewegungen beobachten. Die REM-Phasen zeigten sich isoliert von den anderen vier Hirnstrom-Mustern. Die vier Hirnstrom-Muster ohne schnelle Augenbewegungen benannten die Schlafforscher als Non-REM-Schlaf bzw. NREM-Schlaf. Der REM-Schlaf -sprich das Schlafstadium mit schnellen Augenbewegungen oder auch der Traumschlaf – bildet das fünfte Schlafstadium und weist ein eigenes Hirnstrom-Muster auf.

Die Schlafforscher erkannten schnell, dass durch die Schlafzustände des NREM-Schlafs sowie des REM-Schlafs unterschiedliche Funktionszustände des schlafenden Gehirns zum Ausdruck kommen. Diese unterschiedlichen Funktionszustände des Gehirns sind mit verschiedenen Effekten auf den gesamten Körper verbunden. Sie werden durch unterschiedliche Mechanismen im schlafenden Hirn ausgelöst und aufrechterhalten.

Auf Grundlage dieser neuen Erkenntnisse konnte sich die Schlafmedizin in den letzten 70 Jahren rasant entwickeln und eine Stellung als anerkannte Fachrichtung weltweit einnehmen.

Nachdem William Dement 1952 den Traumschlaf entdeckte hatte, dauerte es noch zehn weitere Jahre bis er die erste Klinik für Schlafstörungen an der kalifornischen Stanford Universität eröffnete.

Geschichte der Schlafmedizin – Christian Guilleminault

Der aus Frankreich stammende Neurologe Christian Guilleminault beobachtete an der Universität von Paris, dass es Menschen gibt, bei denen es während des Nachtschlafes zu längeren, häufig wiederkehrenden Atemstillständen kommt. Weil ihm sein damaliger Abteilungsleiter nicht glaubte und ihm deshalb untersagte, weiter an seiner festgestellten Atmungsstörung im Schlaf zu forschen, entschied sich Guilleminault 1970 dazu, an die Stanford Universität nach Kalifornien zu wechseln und dort in Dements Klinik für Schlafstörungen zu arbeiten. Dort beschrieb Christian Guilleminault dann in den Folgejahren die obstruktive Schlafapnoe, welche aufgrund von periodischen Verschlüssen im Schlundbereich zu Atemaussetzern im Schlaf und als Folge dessen zu Tagesmüdigkeit führt.

Weitere Fortschritte, Schlafstörungen und medizinische Experten

Das Fortschreiten der Schlafmedizin als eigenständiges Fach der Medizin wurde maßgeblich durch die Möglichkeit der Ableitung von Hirnstrom-Mustern während des Schlafes geprägt. Die Schlafforscher waren bis in die Mitte der 1960er in der Regel mit beschreibenden Untersuchungen befasst.

Mit den Auswirkungen von Störungen im Schlaf auf den gesamten Organismus und seine Funktionsfähigkeit am Tag beschäftigte man sich erst in den 1970er Jahren. Zunehmende Erkenntnisse führten dann in der Folge zur Unterscheidung von mehr als 80 Schlafstörungen, wobei die Ursachen für den gestörten Schlaf ebenso vielfältig wie die möglichen Behandlungsmethoden ausfallen.

Musste man früher wegen einer Schlafstörung zu verschiedenen Fachärzten ohne Spezialisierung auf den Schlaf, kann man heutzutage direkt einen Schlafmediziner konsultieren und von dessen weitreichenden Kenntnissen und Erfahrungen profitieren. Dennoch sind auch in unserer heutigen, modernen Zeit noch einige Fragen rund um den Schlaf ungeklärt.


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Annika Franke

Annika Franke

Als Redakteurin haucht sie seit 2018 den Produkten des Online-Shops Betten.at mit ihren Texten Leben ein. Darüber hinaus schreibt sie gerne Artikel für das Schlafmagazin zu verschiedenen Themen.

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