Gesundheitscheck: Kleine-Levin-Syndrom

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Kleine-Levin-Syndrom - Dornröschen-Syndrom - GesundheitscheckIm Schlafmagazin stellen wir Ihnen immer mal wieder die unterschiedlichsten Schlafkrankheiten wie z. B. die Narkolepsie oder die Schlafapnoe genauer vor. Neben relativ bekannten und weit verbreiteten Erkrankungen rund um den Schlaf, gibt es auch sehr seltene Krankheiten wie das Kleine-Levin-Syndrom, welches wir Ihnen in diesem Artikel näherbringen werden.

Lesen Sie jetzt hier online nach, was das Kleine-Levin-Syndrom überhaupt ist. Erfahren Sie außerdem, was diese Schlafkrankheit mit Dornröschen zu tun hat und wer davon betroffen ist.

Was ist das Kleine-Levin-Syndrom?

Der Begriff Kleine-Levin-Syndrom kennzeichnet eine periodische Hypersomnie und Polyphagie. Vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich um Zustände von Schlafsucht und Heißhunger, die mehrere Tage – selten auch Wochen oder sogar Monate – anhalten. Binnen eines Jahres kann es mehrere dieser überlangen Schlafepisoden geben. Die Erkrankung bleibt bei Betroffenen im Durchschnitt für 15 bis 20 Jahre bestehen. Anschließend werden die langen Schlafetappen weniger.

Man spricht statt vom Kleine-Levin-Syndrom (kurz: KLS) auch von Morbus Kleine-Levin, Periodischer Schlafsucht oder vom Dornröschen-Syndrom. Weltweit sind weniger als tausend Menschen davon betroffen.

Der Name dieser Schlafkrankheit geht auf den Deutschen Willi Kleine und den US-Amerikaner Max Levin zurück:

Der aus Frankfurt am Main stammende Willi Kleine schrieb im Jahr 1925 über eine befremdliche Erscheinung bei jungen Menschen nach der Pubertät. – Einige Betroffene, welche sich aufgrund von Schlafstörungen in die Klinik begeben hatten, schliefen über zehn Tage oder mehrere Wochen hinweg ununterbrochen durch. Man konnte sie zum Essen wecken. Im Anschluss daran, schliefen sie allerdings direkt wieder ein. Es war auch möglich, sich mit den jungen Probanden zu unterhalten. Diese erwachten jedoch nicht vollständig, hielten die Augen geschlossen und wirkten offenkundig schläfrig. Bei einigen kam es nicht nur zur Schlafsucht, sondern darüber hinaus auch zur Esssucht bzw. zu regelrechten Heißhungerattacken mit übermäßiger Nahrungsaufnahme, wenn diese zum Essen geweckt wurden. Relativ häufig trat außerdem eine verstärkte Sexualität auf. Bevor die Schlafsucht in Erscheinung trat, zeigte sich gelegentlich eine depressive Verstimmung bei den Betroffenen. Im Anschluss an die lange Schlafperiode waren die jungen Menschen munter, vereinzelt auch zu temperamentvoll, reizbar, missgelaunt und/oder unhöflich distanziert.

Im Jahr 1936 entdeckte Max Levin die von Kleine beschriebene Symptomatik auch in den USA. Da Levin nichts von Kleines Arbeit wusste, sprach er im Zusammenhang mit den erkannten Symptomen von einem neuen Syndrom.


Wie äußert sich das Kleine-Levin-Syndrom?

Personen, die unter dem Kleine-Levin-Syndrom leiden, schlafen während einer akuten Krankheitsphase im Rahmen einer Schlafepisode oft zehn Tage bis hin zu sechs Wochen lang am Stück durch. Sie stehen in der Regel nur dann auf, um die Toilette zu benutzen.

Die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit erfolgt oft nur, wenn Dritte dieses forcieren und den Betroffenen entweder Füttern und ihm Flüssigkeit einflößen. Teilweise klappt es mit dem Essen und Trinken auch, wenn die Schlafenden angesprochen werden. Sie reagieren dann meist wie in Trance, artikulieren sich äußerst langsam oder schwerfällig – oft in einfacher Zeichensprache. Nach dem Erwachen können sie sich kaum daran erinnern, bzw. ist eine Unterscheidung zwischen gewesener Realität und Traum für vom Kleine-Levin-Syndrom Betroffene kaum möglich.

Während einer Schlafepisode ziehen sich die Erkrankten vollkommen zurück und zeigen ein anderes Verhalten als in einer anderen Phase. Sie ändern ihre Interessen oder verlieren das Interesse an Dingen, die mal wichtig waren. Wenn man versucht, jemanden mit Kleine-Levin-Syndrom zu wecken oder zu irgendetwas zu bewegen, muss man eine gereizte oder auch aggressive Reaktion einkalkulieren. Häufig beginnen Erkrankte auch einfach grundlos zu weinen. Gerade zu Beginn einer Schlafepisode sind die meisten Betroffenen ohnehin kaum erreichbar bzw. ansprechbar.


Was verursacht die langen Schlafepisoden beim Dornröschen-Syndrom?

Wie eine Schlafepisode beim Kleine-Levin-Syndrom ausgelöst wird, ist häufig ungeklärt. Bei Mädchen oder jungen Frauen mit dem Dornröschen-Syndrom werden die Krankheitsschübe oft durch die Menstruation verursacht. Darüber hinaus gibt es Erkenntnisse, dass zu wenig Schlaf und zu viel Alkohol oder auch die Kombination aus Schlafmangel und höherem Alkoholkonsum zum Einsetzen einer Schlafepisode führen können. Eine überlange Schlafphase kann sich auch an einen eher harmlosen Infekt oder an starkes Fieber anschließen.

Menschen, die schon länger am Kleine-Levin-Syndrom erkrankt sind, „lernen“ aber mit der Zeit, wann sie nur normal müde und erschöpft sind und wann sich ein Zustand einstellt, der eine erneute lange Schlafepisode ankündigt.


Kleine-Levin-Syndrom – schwierige Diagnose

Bis das Vorliegen eines Kleine-Levin-Syndrom korrekt diagnostiziert wird, vergehen häufig Jahre, weil es vielen Medizinern schlichtweg gänzlich unbekannt ist. Hinzukommt, dass Betroffene selbst und ihre Angehörigen bei einem vermehrtem Schlafaufkommen auch oft keine Kenntnis von diesem sehr speziellen Krankheitsbild haben und als Ursache zunächst meist eher psychische Gründe vermuten.

Die Diagnose Kleine-Levin-Syndrom erfolgt erst, wenn Personen, vermehrt für mindestens eineinhalb Tage bis hin zu sechs Wochen lang schlafen. Vor und nach einer derartigen Schlafepisode, ist es in der Regel so als wäre überhaupt nichts (gewesen). Betroffene schlafen und essen außerhalb der Krankheitsschübe ganz normal. Oft zeigt sich allerdings ein erhöhter Body-Mass-Index.

Die Forschung am Kleine-Levin-Syndrom kommt eher langsam voran, weil es nur wenige Menschen gibt, die an dieser Erkrankung leiden. Auch gibt es kaum Familien, wo das Dornröschen-Syndrom gehäuft vorkommt. Man geht aber aufgrund einer Studie davon aus, dass die Krankheit zumindest teilweise erblich bzw. genetisch bedingt ist. Daneben gibt es aber auch die These, dass es sich beim KLS um eine infektiös bedingte Autoimmunerkrankung handelt.

Wenn der Verdacht besteht, dass man selbst oder eine nahestehende Person unter dem Kleine-Levin-Syndrom leidet, ist es ratsam, im Internet nach einem Arzt zu suchen, der um die Besonderheiten dieser Erkrankung weiß. – So ist die Chance groß, dass eine korrekte Diagnose gestellt und eine sinnvolle Therapie gefunden werden kann.


Wie wird das Kleine-Levin-Syndrom behandelt?

Allgemein lässt sich das Kleine-Levin-Syndrom kaum mit Medikamenten behandeln. Es gibt auch keine randomisierten Studien, die die Wirkung einzelner Medikamente zur Behandlung von KLS belegen. Dementsprechend kann der behandelnde Arzt lediglich Behandlungsversuche starten und beobachten, ob es im Einzelfall zur Besserung kommt.

Es gibt Studien, die belegen, dass die Einnahme von Lithium bei einigen Patienten hilft, das übermäßige Schlafbedürfnis zu unterdrücken und so die langen Schlafepisoden zu verhindern.



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Ulrich Carsten

Zertifizierter Bettenfachberater mit dem Schwerpunkt Matratzen in unserem Online-Shop Betten.at und seit 2011 Chef-Redakteur im Betten.at-Schlafmagazin.

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