Schlafstörungen mit Akupunktur und Akupressur behandeln

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Schlafstörungen mit Akupunktur und Akupressur behandelnDie Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) basiert auf fünf Hauptsäulen zu denen neben Ernährung (Diätetik), Arzneimittel (Heilkräuterkunde), Qigong (Bewegungstherapie) und Tuina (Massage) auch die Akupunktur gehört. Bei der Akupressur handelt es sich grob umschrieben um einen Vorläufer der Akupunktur, welcher gelegentlich auch als Akupunktmassage bezeichnet wird.

In unserem heutigen Schlafmagazin-Artikel stellen wir Ihnen Akupunktur bzw. Akupressur genauer vor und zeigen auf, wie die TCM-Praktiken bei der Behandlung von Schlafstörungen bzw. zur Verbesserung des Schlafes eingesetzt werden können.


Einführung: Wie wirken Akupunktur und Akupressur?

Damit man verstehen kann wie Akupunktur und Akupressur wirken, ist es wichtig zu wissen, dass in der Traditionellen Chinesischen Medizin die Yin und Yang Philosophie von großer Bedeutung ist.

Yin und Yang

Yin Yang - Akupunktur Akupressur WirkungYin und Yang entsprechen dem weiblichen und männlichen Prinzip, welches bestimmend für Himmel und Erde sowie unser ganzes Leben sind. Man nimmt an, dass diese Einteilung wahrscheinlich ihren Ursprung in uralten Fruchtbarkeitsfesten hat, welche die alten Völker im Frühjahr in China abgehalten haben.

Bei diesen Festen sollen sich die Frauen, welche aufgrund ihrer Rolle als Lebensspenderinnen eine Verbindung zur fruchtbaren Erde haben, Position auf der schattigen Seite eines Tales bezogen haben. Diese Talseite bezeichnete man als Yin. Die Männer, welchen über eine helle, männliche Energie verfügen, nahmen hingegen auf der sonnigen Seite des Tals Aufstellung. Diese Seite bezeichnete man entsprechend als Yang.

Mit der Zeit gewöhnten sich die Menschen wohl daran, alles Weibliche, Dunkle und Weiche mit dem Ausdruck Yin zu kennzeichnen, während im Gegenzug alles Männliche, Helle und Harte Yang zugeordnet wurde.

Die chinesische Philosophie versteht Yin und Yang als Einheit. Eins kann ohne das andere nicht sein. Yin und Yang ergänzen sich gegenseitig und ergeben so ein Ganzes. – „Wo kein Licht ist, kann auch kein Schatten sein.“

In der TCM wurde das Yin und Yang Prinzip fortgeführt und auf den menschlichen Organismus übertragen. – So ist beispielsweise die Nahrung aufgrund ihrer Energie spendenden Eigenschaften dem Yin zugewiesen. Der Stoffwechsel (Funktion der inneren Organe wie der Verdauungsorgane) zählt aufgrund seiner Aktivität zum Yang. – Stoffwechsel / Verdauung (Yang) können nur ablaufen, wenn dazu Nahrung (Yin) zur Verfügung steht. Diese Abhängigkeit besteht auch auf umgekehrte Weise, so kann der menschliche Körper die benötigte Energie nur dann aus der Nahrung ziehen, wenn ein Stoffwechsel / eine Verdauung möglich ist.

Fünf Elemente

Zusätzlich zu Yin und Yang kommt auch den fünf Elementen (Feuer, Wasser, Erde, Metall, Holz) eine besondere Bedeutung zu. Im alten China dachte man, dass sämtliche Materie bzw. der komplette Kosmos aus den fünf Elementen aufgebaut ist.

Auch der Denkansatz der fünf Elemente wurde in die Traditionelle Chinesische Medizin übernommen. – Entsprechend stehen die Elemente als Symbole für die Wechselbeziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt.

Darüber hinaus symbolisieren die fünf Elemente allerdings auch das Zusammenspiel der verschiedenen Organe und Strukturen im menschlichen Körper. – Beispielsweise ist die Leber dem Element Holz zugeteilt, weil das Organ mit Umwandlung und Verarbeitung „beschäftigt“ ist und sich deshalb mit dem Wachsen, Blühen und Fruchten von Bäumen und Pflanzen vergleichen lässt, was wiederum dem Element Holz entspricht.

Regulatoren

Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt außerdem drei bedeutsame Regulatoren, welche für ein harmonisches Zusammenwirken der Einzelorgane, Körpersubstanzen und anderen Bestandteile des menschlichen Organismus verantwortlich sind:

Regulator Qi

Beim Qi handelt es sich um Energie bzw. um die Lebensenergie. Das Qi ist für die Energieversorgung sämtlicher Organe und den vollständigen Körper. Es bildet so die Basis für eine ausgewogene Funktion des Organismus.

Das Qi gibt darüber hinaus Auskunft darüber, welche Organe und Substanzen des Körpers korrekt funktionieren und welche eine Unterfunktion oder Überfunktion zeigen. – Wenn Fehlfunktionen des Organismus vorhanden sind, ist der Fluss des Qis gestört. Ausgebildete TCM-Mediziner sind in der Lage durch simple Untersuchungsverfahren wie Tasten oder Fühlen Störungen im Energiefluss zu erkennen. Auf Basis der so gewonnen Erkenntnisse über das Qi lassen sich dann wieder Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der untersuchten Person ziehen.

Regulator Sheng

In der TCM gilt der Regulator Sheng als Förderer. – Durch Sheng werden Funktionen des Körpers und der Organe in Gang gesetzt.

Regulator Ke

Der Regulator Ke fungiert in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Gegenspieler des Regulators Sheng. – Ke wirkt hemmend und unterdrückend.

Die Regulatoren Sheng und Ke sorgen gemeinsam in harmonischer Ausgeglichenheit für optimale Funktionen des Körpers.

Meridiane

Meridiane - Energiebahnen im Körper mit Punkten für die Akupunktur und AkupressurDer Qi-Fluss im Körper verläuft in Bahnen, die man als Meridiane bezeichnet. Diese Meridiane bilden ein weit verzweigtes Netz im Körperinneren und unter der Haut. Über die Meridiane werden Informationen von der Haut zu den Organen geleitet und umgekehrt auch von den Organen zur Haut.

Man unterscheidet zwischen 14 Hauptmeridianen. Die Meridiane sind den Einzelorganen zugeordnet. Auf den Meridianen befinden sich über 300 Akupunkturpunkte. Die Akupunkturpunkte lassen sich mit Knotenpunkten auf den Meridianen gleichsetzen, welche einen besonders guten Austausch von Informationen erlauben. Liegt beispielsweise eine Störung eines speziellen Organs vor, reagieren bestimmte Akupunkturpunkte darauf mit Druckempfindlichkeit. Werden die Akupunkturpunkte mit Nadeln gereizt, kann man Einfluss auf die Organfunktion nehmen und für eine Harmonisierung des Qis sorgen.

Früher wurden die Meridiane und die damit in Verbindung stehende Akupunktur von der westlichen Medizin häufig als wissenschaftlich nicht belegte Medizintheorie abgeurteilt. Heute gibt es Studien, die beweisen, dass die Meridiane tatsächlich existieren und sich durch die Anwendung von Akupunktur und Akupressur positiver Einfluss auf zahlreiche Erkrankungen und körperliche Beeinträchtigungen genommen werden kann.


Welchen Unterschied gibt es zwischen Akupunktur und Akupressur?

AkupunkturDen meisten Menschen ist wohl bekannt, dass bei der Akupunktur spezielle Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden. Diese Methode der alternativen Heilbehandlung bzw. der Traditionellen Chinesischen Medizin sollte durch ausgebildetes Fachpersonal ausgeübt werden. Neben TCM-Medizinern finden sich in Deutschland auch viele Ärzte anderer Fachbereiche sowie Heilpraktiker, die durch eine Zusatzausbildung die notwendige Qualifikation zur Durchführung von Akupunktur erworben haben.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es mittlerweile auch Akupunkturstifte für die Selbst-Akupunktur gibt. Hierzu haben wir weiter unten auch ein Video für Sie eingebunden.

Im Gegensatz zur Akupunktur kommen bei der Akupressur keine Nadeln zum Einsatz. Statt der Nadeln nimmt man seine eigenen Finger, um die jeweiligen Akupunkturpunkte durch Druck zu reizen.

Akupressur gehört in China zum Alltag dazu und fast jeder beherrscht die Grundlagen dieser Gesundheitsmaßnahme. – Wo wir vielleicht eine Kopfschmerztablette einwerfen, um vorhandene Schmerzen zu lindern, setzen die Chinesen auf den gezielten Fingerdruck, um für Besserung zu sorgen.


Schlafstörungen mit Akupunktur behandeln

Wie bereits geschrieben, ist Akupunktur zur Behandlung von Schlafstörungen eine Technik, die besser durch einen ausgebildeten Fachmann ausgeübt werden sollte. In der TCM wird insbesondere eine durch einen Yin-Mangel hervorgerufene energetische Störung im Element Feuer für das Auftreten von Schlafstörungen verantwortlich sein.

Insgesamt gibt es über 20 verschiedene Akupunkturpunkte, welche für die Behandlung von Schlafstörungen „genadelt“ werden können. In der Regel reichen ein paar Sitzungen bei einem erfahrenen Akupunkteur aus, um beispielsweise Einschlafschwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Bei schweren Schlafstörungen können allerdings auch 20 oder vereinzelt auch mehr Sitzungen erforderlich sein.


Video: Selbst–Akupunktur | Für einen besseren Schlaf – Einfach besser leben


Akupunktur zur Entwöhnung von Schlafmitteln

Die Akupunktur lässt sich auch als begleitende Maßnahme zur Entwöhnung von Schlafmitteln mit chemisch-synthetischen Wirkstoffen einsetzen. Hierbei wird die Akupunktur in der Regel über mehrere Wochen angewendet, wobei gleichzeitig die Dosis des Schlafmittels etappenweise herabgesetzt bzw. allmählich ausgeschlichen wird.

Mithilfe der Akupunktur in Kombination mit dem langsamen Ausschleichen des Medikamentes können die meist unangenehmen Begleiterscheinungen einer Schlafmittel-Entwöhnung, die von Unruhe bis hin zu Schlafverlust reichen können, oft komplett „ausgeschaltet“ werden.

Wenn die Therapie abgeschlossen ist, kann das Gros der Betroffenen vollständig auf die Einnahme von Schlafmitteln verzichten und wieder einen natürlichen Schlaf mit hohem Erholungswert und ohne Hilfsmittel genießen.


Schlafstörungen mit Akupressur behandeln

Die Akupressur kann eigentlich jeder anwenden, um seinen Schlaf zu verbessern oder kleinere Schlafstörungen zu behandeln.

Zur Durchführung der Akupressur sollte man sich eine angenehme Atmosphäre schaffen, in der Entspannung möglich ist. Eventuelle Störfaktoren wie Telefon oder Musik sollte man abschalten. Das Licht sollte nach Möglichkeit gedämpft werden oder man schaltet das Hauptlicht ab und eine kleine indirekte Lichtquelle an.

Dann nimmt man eine möglichst bequeme Position ein. – Man kann liegen oder auch sitzen.

Für die Akupressur sollten die Finger warm sein. Sollte dieses nicht der Fall sein, sollte man vorab zum Beispiel durch Reiben der Hände dafür sorgen, dass die Finger warm werden.

Dann „sucht“ man sorgfältig nach dem ausgewählten Akupressurpunkt und setzt den Finger auf.

Nun wird der Punkt für einige Minuten mit leichtem Druck und mehrfachen nach links und rechts kreisenden Bewegungen „bearbeitet“. Für die Behandlung von Schlafstörungen sollte man sich unbedingt auf einen leichten Druck beschränken.

Nachfolgend einige Videos mit Anleitungen für eine Akupressur gegen Schlafstörungen:

Video: Schlafstörung beseitigen durch diesen geheimen Akupressurpunkt | Physiotherapeut Marvin Seidel


Video: Akupressur bei Schlafprobleme, Erholsamer schlafen, bessere Regeneration


Video: Akupressur als Einschlafhilfe / Dr. Franziska Rubin, Ärztin, Buchautorin / H&S Autoren, Referenten


Weitere Links zum Thema Akupunktur und Akupressur bei Schlafstörungen im Netz:

Akupunktur Magazin – Schlafstörungen: Wenn die Nacht zum Tag wird (pdf)

Einschlafen per Fingerdruck: So hilft Akupressur gegen Schlafstörungen – Freundin.de


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Ulrich Carsten

Zertifizierter Bettenfachberater mit dem Schwerpunkt Matratzen in unserem Online-Shop Betten.at und seit 2011 Chef-Redakteur im Betten.at-Schlafmagazin.

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