Was sind Schlaftracker und welchen Nutzen haben sie?

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Was sind Schlaftracker? Sind diese sinnvoll? Worauf sollte man bei Schlaftrackern achten?Bei den Schlaftrackern handelt es sich im Prinzip um Messinstrumente zur Bestimmung der Schlafqualität. Sie eignen sich zum Beispiel für Menschen, die herausfinden wollen, ob die gefühlt gute oder auch gefühlt schlechte Nachtruhe tatsächlich der Realität entspricht, oder ob es Anzeichen dafür gibt, dass der Schlaf schlechter oder besser ausfällt als gedacht.

Schlaftracker erfassen dazu Daten wie beispielsweise die Herzfrequenz, Atemfrequenz, Schlafdauer/Wachphasen, Schlafzyklen inklusive Leichtschlaf, Tiefschlaf, REM-Schlaf, Bewegungen sowie Geräusche (Schnarchen oder auch Umgebungslärm). Die Tracker zeichnen die erhobenen Daten auf und geben so die Möglichkeit, die Entwicklung bestimmter Schlafparameter auch über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Mithilfe des Schlaftrackers werden Faktoren wie Dauer, Rhythmus und Tiefe des Schlafes nachvollziehbar, wodurch Rückschlüsse auf die eigene Schlafqualität möglich sind. Viele Tracker errechnen anhand dieser Parameter einen Index, der auch Sleep-Score genannt wird. Der Sleep-Score ist vergleichbar und zeigt z. B. auf, wie der eigene Schlaf verglichen mit einem durchschnittlichen Wert ausfällt.


Schlaftracker zur Kontrolle von Veränderungen beim Schlafverhalten oder der Schlafhygiene

Mit einem Schlaftracker Ursachen für Schlafstörungen auf die Spur kommen.Wenn man mit Schlafstörungen zu kämpfen hat und vor diesem Hintergrund z. B. Veränderungen in der Bettausstattung oder auch bei der Schlafposition vorgenommen hat, kann man den Schlaftracker als Kontrollwerkzeug nutzen. – Zeigen sich nach vorgenommenen Anpassungen am eigenen Verhalten oder an der Schlafumgebung Effekte auf den Schlaf? Gibt es z. B. längere Tiefschlafphasen oder ist der Schlaf insgesamt ruhiger geworden, weil weniger Bewegungen vom Tracker erfasst wurden?

Die verschiedenen Messkategorien des Schlaftrackers bieten darüber hinaus die Möglichkeit zum schnellen Erkennen von Verbesserungspotenzialen. So kann die Auswertung des Schlaftrackings beispielsweise Hinweise darauf geben, dass es sinnvoll ist, eine frühere oder auch eine spätere Zubettgehzeit zu wählen.


Besser aufstehen mit dem Schlaftracker

Im Rahmen des Schlaftrackings kann man sich auch die morgendliche Routine erleichtern, in dem man sich vom Tracker beim Aufstehen unterstützen lässt. So fungieren einiger Schlaftracker – meist im Zusammenspiel mit darauf abgestimmten Apps für das Smartphone – auch als Schlafphasenwecker.

Stellt man in der Schlaftracker-App ein Zeitfenster für das Wecken ein, taktet das Programm den Weckprozess so ein, dass dieser in einer Leichtschlafphase stattfindet. Auf diese Weise wird man nicht aus dem Tiefschlaf gerissen und kann sich den Kampf mit der Schlaftrunkenheit sparen.

Morgenmuffel, die morgens nur ganz schlecht in Fahrt kommen und häufiger den regulären Wecker verschlafen, sollten sich für einen Schlaftracker entscheiden, der sich nicht mit einem einfachen Wecksignal zufriedengibt. In diesem Zusammenhang gibt es Tracker bzw. Schlaftracker-Apps, die das Lösen einer Mathematikaufgabe oder das Scannen eines QR-Codes (angebracht am Badspiegel) fordern, um sicherzustellen, dass man auch wirklich richtig wach ist.


Schlaftracker gibt es in diversen Ausführungen

Im Handel stehen zahlreiche Schlaftracker-Modelle zur Auswahl, die sich hinsichtlich ihrer technischen Ausführung sowie ihrer Leistungsfähigkeit unterscheiden.

Die einfachste Variante des Schlaftrackers besteht wohl aus einer einfachen Smartphone-App. Damit dieser Tracker die Daten erfassen kann, muss das Mobiltelefon in der Regel während des Schlafes neben dem Kopf liegen. Mithilfe der Bewegungssensoren des Handys erfasst die Tracking-App Bewegungen. Für die Dokumentation von Geräuschen bedient sich der Tracker dem Mikrofon des Smartphones.

Bei einigen Schlaftrackern dient eine kleinformatige Sensormatte zur Datenerfassung. Diese wird unter die Matratze gelegt und misst mithilfe von Drucksensoren Atmung, Herzfrequenz und Bewegungen. Die Auswertung erfolgt dann ebenfalls via App.

Direkt am Körper angebracht werden Tracking-Armbänder, Smartwatches, Fingerringe und eigens zu diesem Zweck entwickelte Stirnbänder sowie Schlafmasken. Auch hier werden die Daten an eine App übertragen, in der man sich dann Verläufe, Auswertungen und Analysen anschauen kann.


Wie zuverlässig arbeiten Schlaftracker?

Ohne die Messung von Gehirnströmen ist die zuverlässige Erkennung der verschiedenen Schlafphasen verhältnismäßig schwierig. US-Schlafforscher aus San Diego konnten zudem im Experiment zeigen, dass sich die Tracker schnell überlisten lassen, wenn jemand statt zu schlafen nur sehr ruhig daliegt.

Um zu untersuchen, wie gut oder schlecht die Messungen von Schlaftrackern ausfallen, haben Schlafforscher an der Universität Salzburg die Messergebnisse von drei Schlaftrackern genauer unter die Lupe genommen. Um einen sicheren Vergleichswert für die Beurteilung zu haben, führten die Wissenschaftler parallel eine Polysomnografie durch, welche als Goldstandard in den Schlaflaboren gilt. Mittels Polysomnografie werden nicht nur Atem- und Herzaktivität, sondern auch Hirnströme und Muskelanspannung gemessen. In der Auswertung zeigte sich, dass den Schlaftrackern die exakte Messung der Wachzeiten nicht geglückt war. Die so positiver ausfallenden Daten zum Durchschlafen bzw. reduziert erfassten Wachzeiten während der Nacht können am Morgen danach für Verwirrung sorgen, wenn das eigene Empfinden stark davon abweicht.


Macht die Verwendung von Schlaftrackern Sinn?

Aufgrund der genannten Problematik mit der korrekten Erfassung der nächtlichen Wachzeiten sowie der Möglichkeit, ruhiges Liegen als Schlafen fehl zu werten, kann man sich schon die Frage stellen, ob der Einsatz eines Schlaftrackers im Schlafzimmer überhaupt sinnvoll ist.

Schlafforscher sehen durchaus gute Gründe für die Nutzung eines Schlaftrackers, wobei man auf ein möglichst gut getestetes, hochwertiges Gerät achten sollte. Mit einem derartigen Schlaftracker lassen sich nämlich unter Umständen wertvolle Hinweise auf medizinische Problematiken wie beispielsweise Atemaussetzer im Schlaf im Rahmen einer Schlafapnoe finden.

Mediziner können sich dann anhand der vom Tracker bzw. Schlaftrackingsystem ermittelten Daten für Atmung, Herzfrequenz, Bewegung und/oder auch Schnarchen ein relativ gutes Bild über die gesundheitliche Situation des Patienten machen und Anhaltspunkte für die weitere medizinische Diagnostik bzw. Therapie erlangen.

Schlaftracker können für Ärzte auch bei allgemeinen Schlafproblemen hilfreich sein, denn sie können beispielsweise durch die Erfassung von Zubettgehzeiten und Aufstehzeiten Verhaltensweisen aufdecken, die ungünstig für den Schlaf bzw. den Erholungswert des Schlafes sind. Der Schlaftracker ersetzt also in diesem Fall zum Teil das sonst schriftlich geführte Schlaftagebuch und erleichtert die Ursachenforschung bei gestörtem Schlaf.


Schadet es mit dem Schlaftracker zu schlafen?

In Bezug auf Elektrosmog setzen ja einige Menschen darauf, jegliches technische Gerät aus dem Schlafzimmer zu verbannen und den Raum während der Nachtruhe frei von Elektrizität zu halten.

Wer einen Schlaftracker nutzen will, darf sich nicht daran stören, dass die Geräte Strom brauchen oder elektromagnetische Strahlung ins Schlafzimmer bringen. Es gibt in diesem Zusammenhang auch Schlaftracking-Apps, die auch im Flugmodus funktionieren.

Aus wissenschaftlicher Sicht wird der Einsatz eines Schlaftrackers im Schlafzimmer bislang als unbedenklich angesehen, weil es keine Belege dafür gibt, dass von der mit Smartphone, Fernseher oder Webradio verbundenen elektromagnetischen Strahlung negativen Wirkungen ausgehen. Es gab zwar wohl schon vereinzelt in Studien festgestellte Effekte, welche aber in Wiederholungsstudien nicht verifiziert werden konnten.


Lesen Sie hierzu auch im Magazin:
Schlaf-Apps – Welche Apps gibt es und was ist davon zu halten?


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Linda Liss

Als Social Media Managerin betreut sie seit 2021 die Social Media Kanäle u. a. von Betten.at und ist zudem als Autorin für das Schlafmagazin tätig.

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