Schlafmittel: Mit Medikamenten in den Schlaf

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Schlafmittel - Hintergründe und Wissenswertes - Medikamente zum SchlafenWenn man unter Schlafstörungen leidet und vermeintlich bereits alles aus dem Bereich der Entspannungstechniken und natürlichen Schlafhelfer ausprobiert hat, wird man sich früher oder später mit dem Thema Schlafmittel beschäftigen.

Die Einnahme von Medikamenten, um dem Schlaf künstlich auf die Sprünge zu helfen bzw. die Schlafstörung „auszutricksen“, ist nicht unumstritten. Grundsätzlich sollte es eigentlich idealerweise so sein, dass Pharmaka nur zur Behandlung der Grunderkrankung (Ursache für die Schlafstörung) verschrieben werden. Also Medikamente, die z. B. eine Depression, Angstzustände oder auch Schmerzproblematiken lindern.

In unserem heutigen Schlafmagazin-Artikel schauen wir uns die Welt der Schlafmittel etwas genauer an, stellen verschiedene Gruppen von Schlafmitteln vor und geben wichtige Infos und Hintergründe zum korrekten Umgang mit Schlafmitteln.


Einführung in die Welt der Schlafmittel

Schlafmittel im eigentlichen Sinne werden auch als Hypnotika bezeichnet.

Grundsätzlich kann man bei den Schlafmitteln zwischen zwei Gruppen unterscheiden:

  • Schlafmittel auf Basis natürlicher Substanzen
  • Schlafmittel auf Basis synthetischer Substanzen

Bei beiden Gruppen sollte man auf jeden Fall vor der Einnahme mit seinem Apotheker oder Arzt sprechen. Mit der Einnahme chemischer Schlafmittel gehen in der Regel noch einmal besondere Risiken einher, die wir an anderer Stelle noch gesondert ausführen werden.

In unserem heutigen Artikel beschränken wir uns im Weiteren auf die synthetischen Arzneimittel für die Schlafförderung.

Im Bereich der synthetischen Schlafmittel muss man noch einmal eine Unterscheidung zwischen rezeptfreien und rezeptpflichtigen Arzneimitteln machen. Die Medikamente zur Förderung des Schlafes bzw. zur kurzzeitigen Umgehung der Schlafstörung, die ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind, sollte man deshalb aber nicht unterschätzen. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich die Lektüre unserer Zusammenfassung zu den Antihistaminen.


Welche Arten von Schlafmitteln gibt es?

Im Bereich der synthetischen Schlafmittel gibt es folgende Gruppen:

Benzodiazepine

Die Benzodiazepine wurden in der Vergangenheit sehr häufig gegen Einschlaf- und Durchschlafstörungen verschrieben. Bei den Benzodiazepinen unterscheidet man zwischen den so genannten Tranquilizern (Beruhigungsmitteln) und echten Schlafmitteln. Zur Gruppe der Tranquilizer werden u. a. die Wirkstoffe Diazepam, Oxazepam, Flurazepam, Temazepam oder Triazolam gerechnet. Bei den echten Schlafmitteln unter den Benzodiazepinen sind u. a. die Wirkstoffe Flunitrazepam oder Bictiziclam zu nennen.

Die Tranquilizer wirken angstlösend und entspannend. Deshalb wird durch die Einnahme von Tranquilizern lediglich das bessere Einschlafen unterstützt. Die Einnahme eines Benzodiazepin-Wirkstoffes aus der Gruppe der Schlafmittel sorgt hingegen für eine direkte Einleitung des Schlafes. Dabei finden keinerlei beruhigende Prozesse im Körper statt.

Viele der zu den Benzodiazepinen gehörenden Substanzen verfügen über eine längere Halbwertszeit – werden also nur langsam im Körper abgebaut. In der Folge wirken die Mittel auch am nächsten Tag noch nach, weshalb sich Personen, die mit Benzodiazepinen durch die Nacht gekommen sind, oft benommen fühlen, Konzentrationsschwierigkeiten und Orientierungsprobleme haben und verwirrt sind. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Hangover.

Benzodiazepine bergen ein großes Suchtpotential. Mediziner setzen deshalb auf eine Intervalltherapie, wo sich an eine auf maximal drei Wochen begrenzte Einnahme eine ebenso lange Einnahmepause anschließt. Bei Bedarf kann dann noch einmal drei Wochen eine Medikamenteneinnahme erfolgen. Um einer Abhängigkeit vorzubeugen, kann es auch sinnvoll sein, die Benzodiazepine nicht täglich zu nehmen, sondern nur bei Bedarf über ein paar Tage hinweg und dann wieder zu pausieren.

Non-Benzodiazepine bzw. Z-Substanzen

Die Z-Substanzen werden auch als Non-Benzodiazepine oder Nicht-Benzodiazepine bezeichnet. Sie weisen in ihrer Beschaffenheit und Wirkung allerdings eine große Ähnlichkeit zu den Benzodiazepinen auf.

Die Wirkstoffe aus dem Bereich der Z-Substanzen Zaleplon, Zolpidem und Zopiclon sind bereits seit vielen Jahren etabliert, dennoch neuer als die meisten Benzodiazepine.

Bei den Z-Substanzen sollen die Nebenwirkungen im Vergleich zu denen der Benzodiazepine geringer ausfallen. Auch die Gefahr für die Entwicklung einer Abhängigkeit soll reduziert sein. – Trotzdem sollten auch Schlafmittel aus der Gruppe der Z-Substanzen nicht zur Langzeittherapie in der Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt werden.

Chloralhydrat

Beim Chloralhydrat handelt es sich um das erste synthetisch erzeugte Schlafmittel. Der Wirkstoff setzt im Gehirn die Freisetzung eines bestimmten Botenstoffes herab, was einen dämpfenden Effekt zur Folge hat.

Die Einnahme von Chloralhydrat sollte einen Zeitraum von 14 Tagen nicht überschreiten, weil der Organismus sich sehr schnell an die Substanz gewöhnt. Durch eine längere Einnahme kann es zu einer gefährlichen Abhängigkeit kommen, wobei sogar Persönlichkeitsveränderungen auftreten können.

Zu den Nebenwirkungen von Chloralhydrat Schlafmittel zählen Hangover-Effekte, Übelkeit oder Angst.

Antidepressiva

Bei den Antidepressiva gibt es diverse Medikamente, welche stimmungsaufhellend, antriebssteigernd oder dämpfend wirken können. Aponal oder Sinquan sind z. B. Medikamente aus dem Bereich der Antidepressiva, die den Wirkstoff Doxepin enthalten. Ein anderes Beispiel ist das Antidepressivum Tolvin mit dem Wirkstoff Mianserin.

Wie der Name schon zum Ausdruck bringt, werden Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Da Schlafstörungen allerdings häufig zu den Begleiterscheinungen einer Depression gehören oder sogar auf diese zurückzuführen sind, kann die Behandlung der Schlafstörung durch die Gabe eines geeigneten Antidepressivas sinnvoll sein. (siehe hierzu auch: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Schlaf und Depression?)

Die Wirkstoffe der Antidepressiva werden in der Regel nur sehr langsam wieder vom Körper abgebaut. Zudem können mit der Einnahme gravierende Nebenwirkungen einhergehen. – In diesem Zusammenhang sind u. a. Herzrhythmusstörungen, Blutdruckveränderungen, Schwitzen, Zittern, Schwindel, Mundtrockenheit, Probleme beim Wasserlassen oder Sehstörungen zu nennen.

Neuroleptika

Mit den Neuroleptika werden Psychosen behandelt. Zu den Effekten dieser Medikamente gehört außerdem eine beruhigende Wirkung, weshalb sie sich in niedriger Dosierung auch zur Verbesserung des Schlafes einsetzen lassen.

Neuroleptika sollten allerdings nicht von psychisch gesunden Menschen zur Behandlung einer Schlafstörung eingenommen werden. Es können schwerwiegende Nebenwirkungen wie Herz-Kreislauf-Störungen, Störungen der Blutbildung, Hautausschläge oder Zittern in Erscheinung treten.

Antihistaminika

Antihistaminika sind Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Allergien eingenommen werden. Sie weisen allerdings den Nebeneffekt auf, dass sie müde machen (sedierende Wirkung), weshalb sie sich auch als Schlafmittel nutzen lassen. Zu den Wirkstoffen im Bereich der Antihistaminika gehören unter anderem Diphenhydramin und Doxylamin.

Im Vergleich zu den anderen Schlafmitteln sind Antihistaminika rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Zusätzlich ist das Suchtpotential auch deutlich geringer.

Zu den Nebenwirkungen von Antihistaminika können u. a. Mundtrockenheit, Sehprobleme, Verstopfung und unter Umständen auch Desorientierung und Verwirrtheit gehören.

Melatonin

Der Vollständigkeit halber ist in dieser Auflistung der synthetischen Schlafmittel auch das Melatonin zu nennen. Melatonin ist unser körpereigenes Schlafhormon und auch als synthetisch hergestelltes Arzneimittel erhältlich. In Deutschland gehört künstlich hergestelltes Melatonin zu den rezeptpflichtigen Medikamenten, während es im Ausland oft frei verkäuflich angeboten wird.

Empfohlen wird die Einnahme von Melatonin als Schlafmittel insbesondere bei der Behandlung von Jetlag-bedingten Schlafstörungen oder bei Schlafproblemen im Alter.

Für weitere Informationen zum Thema Hormone und Schlaf empfehlen wir Ihnen unseren gleichnamigen Artikel im Schlafmagazin: Hormone und Schlaf


Was sollte bei der Einnahme von Schlafmitteln beachtet werden?

Schlafmittel dienen – wie bereits erwähnt – lediglich der Linderung von Symptomen und sollten deshalb nur selten und wenn dann nur über einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden.

Bei der Einnahme von Schlafmitteln muss man auf Folgendes achten:

  • Dosierung (Wie viel vom Medikament soll eingenommen werden?)
  • Absorptionsrate (Wie viel Zeit vergeht von der Einnahme bis zum Einsetzen der Wirkung?)
  • Halbwertszeit (Wie lange bleibt das Medikament im Körper?)
  • Einnahmedauer (Wie lange soll das Medikament eingenommen werden?)

Der Blick auf die Halbwertzeit des gewählten Schlafmittels ist dabei von besonderer Bedeutung, weil sich Medikamente mit einer langen Halbwertszeit auch am nächsten Tag noch im Körper nachweisen lassen und Nebenwirkungen wie Müdigkeit hervorrufen können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Nachwirkungen oder Hangover.

Schlafmittel, die über einen Wirkstoff mit kurzer Halbwertszeit verfügen, werden vom Körper bis zum nächsten Tag abgebaut. Kommt es bei Medikamenten dieser Art nach einigen Einnahmetagen zu einem abruptem Absetzen des Schlafmittels, kann allerdings eine so genannte Rebound-Insomnie auftreten.

Was ist eine Rebound-Insomnie?

Die Rebound-Insomnie ist ein Phänomen, welches auftritt, wenn ein Schlafmittel – insbesondere ein kurz wirkendes Schlafmittel – abgesetzt wird. Durch das Absetzen des Schlafmittels verschlechtert sich der Schlaf vorübergehend weiter.

Es scheint, als ob das sich das Gehirn an das eingenommene Schlafmittel gewöhnt hat und im Rahmen einer Entzugserscheinung mit einer Rebound-Insomnie reagiert.

Bei einer Rebound-Insomnie fällt der Schlaf vorübergehend unruhiger und weniger tief aus.

Um dem Auftreten einer Rebound-Insomnie vorzubeugen, ist es in der Regel sinnvoll, das Schlafmittel in Absprache mit dem behandelnden Arzt langsam auszuschleichen. Dazu wird die Dosis allmählich bis auf null reduziert.


Wie sieht das ideale Schlafmittel aus?

Das ideale Medikament zur Behandlung von Schlafstörungen bzw. Schlafmittel zeichnet sich durch eine unmittelbare Wirkung und einen beschleunigten Einschlafprozess aus. Darüber hinaus werden die verschiedenen Schlafstadien nicht durch das Arzneimittel beeinflusst.

Die Person, die das Schlafmittel eingenommen hat, bleibt außerdem weiterhin empfänglich für wichtige Außenreize wie das Klingeln des Weckers oder das Weinen des Kindes und ist in der Lage auf diese zu reagieren.

Atmungsprozess, Gedächtnisleistung und Koordinationsfähigkeit (motorisch, organisch) werden nicht beeinträchtigt.

Zusätzlich sind mit dem idealen Schlafmittel keinerlei Nachwirkungen verbunden, so dass es am Tag darauf keine untypische Müdigkeit gibt.

Da die einnehmende Person keinerlei Toleranz gegen das Schlafmittel entwickelt, muss die Dosierung nicht angepasst werden. Zudem treten keine Entzugserscheinungen nach dem Absetzen des Medikamentes auf.

Ein derartig ideal wirkendes Schlafmittel wurde bislang leider noch nicht entwickelt. Der „Steckbrief“ kann aber eine nützliche Hilfe sein, wenn es darum geht, einzuschätzen, welche Gefahren von Schlafmitteln ausgehen.


Wie gefährlich sind Schlafmittel?

Mit der Einnahme vieler Schlafmittel gehen erhebliche Nebenwirkungen und Nachwirkungen einher. Darüber haben wir bereits an verschiedenen Stellen in diesem Artikel informiert. Weiterhin besteht bei vielen Medikamenten zur Verbesserung, Förderung, Herbeiführung des Schlafes ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Nachfolgend haben wir noch zwei sehenswerte Videos herausgesucht, welche weitere Informationen zur Gefährlichkeit von verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Schlafmitteln liefern:


Video: Wie gefährlich sind Schlafmittel wirklich? | Jan Reuter


Video: Rezeptfreie Schlafmittel: Wie Neben- und Wechselwirkungen zur Gefahr werden können | Marktcheck SWR


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Judith Schober

Als Content Marketing Managerin betreut sie seit 2014 die Online-Redaktion des Shops Betten.at. Im Schlafmagazin veröffentlicht sie u. a. Beiträge rund um aktuelle Einrichtungstrends sowie Pflegetipps und Artikel zu Gesundheitsthemen.

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