Gesundheitscheck: Schenck-Syndrom – Aggressiver Schlaf

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Schenck-Syndrom - Aggressiver Schlaf - REM-Schlaf-VerhaltensstörungImmer wieder beschäftigen wir uns hier im Schlafmagazin mit verschiedenen Schlafstörungen und Krankheiten, die sich negativ auf den Schlaf auswirken können. Während einige dieser Störungen und Erkrankungen durchaus weit verbreitet bekannt sind, gibt es aber auch einige, die nur selten auftreten und deshalb auch kaum in den Fokus der breiten Bevölkerung rücken. Eine derartige Schlafstörung ist das so genannte Schenck-Syndrom.

In unserem heutigen Artikel stellen wir Ihnen das Schenck-Syndrom genauer vor und erklären, wie man diese Art der Schlafstörung erkennen kann. Weiterhin beschäftigen wir uns mit den Ursachen und Auswirkungen des Schenck-Syndroms und geben Hinweise zur Behandlung und Therapie.


Was ist das Schenck-Syndrom?

Das Schenck-Syndrom (teilweise auch fälschlich Schenk-Syndrom geschrieben) wird auch als Aggressiver Schlaf oder REM-Schlaf-Verhaltensstörung bzw. in englischer Sprache als REM sleep behaviour disorder (abgekürzt RBD) bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Parasomnie (altgriechisch para für im, während, neben oder bei | lateinisch somnus für Schlaf). Parasomnien sind unangemessene und unerwünschte Verhaltensweisen, welche in erster Linie aus dem Schlaf heraus auftreten bzw. ausgeübt werden.

Die Bezeichnung Schenck-Syndrom geht auf dem US-amerikanischen Somnologen und Psychiater Carlos H. Schenck zurück. Schenck hat diese besondere Form der Parasomnie erstmals im Jahr 1986 beschrieben.

Im Rahmen der REM-Schlaf-Verhaltensstörung führen Betroffene während des REM-Schlafes (Traumphase) einfache Bewegungen sowie ebenfalls auch komplexere Bewegungsabläufe aus, welche auf bestimmten lebendigen und häufig auch verängstigenden Träume gründen. Man sagt in diesem Zusammenhang auch, dass die Träume ausagiert werden. Aufgrund dieser unwillkürlich im Schlaf ausgeübten Bewegungen – oftmals handelt es sich dabei um Tritte oder auch Schläge – besteht eine potentielle Eigen- sowie Fremdgefährdung.

Die (aggressiven) Verhaltensweisen bzw. heftigen motorischen Aktivitäten, die eine unter dem Schenck-Syndrom leidende Person in der Phase des REM-Schlafes zeigt, decken sich in der Regel in keiner Weise mit dem sonst üblichen Charakter und Verhalten dieser Personen im Wachzustand. Auch Sprechweise und Schreie des Betroffenen weichen meist sehr stark von der sonst gewöhnlichen Art sich auszudrücken ab.

Normalerweise wird die REM-Schlafphase nahezu still verbracht, was im Zusammenhang mit der so genannten physiologischen Paralyse steht. Aufgrund dieser physiologischen Paralyse erschlaffen bei gesunden Personen die Muskeln während des REM-Schlafes. Man spricht diesbezüglich auch von einer Atonie der Skelettmuskulatur. Fehlt diese Hemmung wie beim Schenck-Syndrom, können die Träume aktiv ausgelebt werden, was insbesondere bei erschreckenden Albträumen passiert. – Betroffene schreien dann im Traumschlaf und wehren sich gegen die vermeintlichen Gefahren aus dem Traum, in dem sie um sich treten oder schlagen. Im Zusammenhang mit der physiologischen Paralyse gibt es übrigens auch eine Form der Parasomnie, bei der Betroffene die Lähmung des Körpers mehr oder weniger bewusst wahrnehmen. Wir haben hierüber bereits ausführlich in unserem Artikel: Schlafparalyse – Schlaflähmung: Wenn nachts die pure Angst aufblitzt im Schlafmagazin berichtet.

Unter dem Schenck-Syndrom leiden in erster Linie Männer (ca. 90% aller Betroffenen), wobei die Parasomnie in der Regel im Lebensalter von 40 bis 70 Jahren erstmalig auftritt. Beim Gros der Betroffenen (mehr als 80%) zeigt sich die REM-Schlaf-Verhaltensstörung erst ab einem Alter von 60 Jahren. Jüngere Menschen (unter 40 Jahren) erkranken nur äußerst selten an RBD.


Wie äußert sich das Schenck-Syndrom und welche Auswirkungen gibt es?

In unserem einleitenden Absatz zur allgemeinen Erklärung des Schenck-Syndroms bzw. Aggressiven Schlafs haben wir bereits mehrfach beschrieben, dass es durch im Rahmen dieser Parasomnie zu einem aktiven Ausleben der Albträume während des REM-Schlafs kommt. Alle anderen Schlafphasen laufen ganz regulär, ruhig und im üblichen Rhythmus ab.

Bedingt durch das Fehlen der bei gesunden Menschen vorliegenden physiologischen Paralyse (Erschlaffung der Muskulatur) im Traumschlaf, sind Betroffene in der Lage, sich zu bewegen und so auf die bedrohlichen Situationen (oft handelt es sich dabei um Albträume, in denen die Schlafenden angegriffen werden) im Traum zu reagieren. Meist geschieht dieses in Form von Schreien sowie Schlagen oder Treten zur vermeintlichen Verteidigung gegen die Gefahren bzw. Angreifer aus dem Albtraum. Die ausgeführten Bewegungen sind zumeist komplex.

Wie schon erklärt, kommt es im Zusammenhang mit der REM-Schlaf-Verhaltensstörung oft auch zu Lautäußerungen, welche in der Regel nicht mit der normalen Stimme / Stimmlage des Erkrankten getätigt werden. Dabei ist die Lautstärke meistens deutlich erhöht, womit ein Unterschied zur Parasomnie Somniloquie (Sprechen im Schlaf) oder zur Katathrenie (schlafbezogenes Stöhnen) gegeben.

Im Gegensatz zum ebenfalls zu den Parasomnien zählenden Schlafwandeln verlässt der Betroffene bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung sein Bett nicht. Es kommt allerdings durchaus vor, dass Personen aufgrund der übermäßigen Abwehraktivitäten aus dem Bett stürzen.

Auch bleiben die Augen bei Menschen, die vom Schenck-Syndrom betroffen sind, in der Regel geschlossen, wenn die Parasomnie in Erscheinung tritt.


Video: REM Behavior Disorder During Sleep Study | TheLankyLefty27



Die fehlende Paralyse bzw. fehlende Hemmung der Motorik bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung wird durch falsch gefaltetes Alpha-Synuclein verursacht.

Das Erwachen oder Wecken eines Betroffenen während des REM-Schlafes bzw. während der Phase des Aggressiven Schlafes führt zu einer Verquickung der Weckaktion mit dem Traum, was weitere gewalttätige Handlungen nach sich ziehen kann. – Das Wecken einer Person, die am Schenck-Syndrom leidet, sollte man also besser unterlassen.

Generell besteht durch das Vorliegen einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung eine Verletzungsgefahr für den Betroffenen selbst (Eigengefährdung) sowie für Dritte, die beispielsweise mit dem Betroffenen das Bett teilen (Fremdgefährdung).

Darüber hinaus verursachen die heftigen Schlafbewegungen Weckreaktionen, so
genannte Arousals beim Betroffenen. Diese wirken sich negativ auf die Qualität des eigenen Schlafes aus und können auch die Schlafqualität des Bettnachbarn beeinträchtigen.

Sehr häufig werden bei Menschen, die unter einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung leiden, auch weitere Schlafstörungen festgestellt. So leiden etwa Dreiviertel aller Betroffen auch unter Periodischen Beinbewegungen im Schlaf (kurz: PLMS), haben Schlafapnoe oder sogar Narkolepsie. Mit diesen „Zusatzerkrankungen“ gehen weitere gesundheitliche Einschränkungen und eine weitere Reduzierung der Schlafqualität einher.

Oft ist es so, dass sich am Schenck-Syndrom Erkrankte zwar gut an den erlebten Albtraum erinnern können, aber an die während des Traums ausgeführten Bewegungen und u. U. Verletzungen Dritter nicht. Es besteht also eine Art Amnesie, was die realen Geschehnisse angeht.

Liegt zusätzlich zur REM-Schlaf-Verhaltensstörung noch eine psychische Störung beim Erkrankten vor, kann es zu erheblichen Komplikationen wie wahnhaftem Verhalten oder traumatischen Zuständen kommen.

Die Frequenz vom Auftreten des Aggressiven Schlafs liegt zwischen einmal wöchentlich bis hin zu mehrmals während einer einzigen Nacht bzw. Nachtruhe.


Welche Arten des Schenck-Syndroms gibt es und wie werden diese verursacht?


Beim Schenck-Syndrom unterscheidet man grob zwischen drei Arten:

  • Idiopathische REM-Schlaf-Verhaltensstörung (chronisch)
  • Symptomatische REM-Schlaf-Verhaltensstörung (chronisch)
  • Akute REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Schenck-Syndrom: Idiopathische REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Wenn von einer idiopathischen REM-Schlaf-Verhaltensstörung die Rede ist, bedeutet dieses, dass es sich um eine Parasomnie handelt, für die bei Auftreten der Krankheit keine Vorerkrankung gefunden werden konnte, welche auslösend dafür ist.

Etwa die Hälfte aller Personen, die unter dem Schenck-Syndrom leiden, leiden an der idiopathischen Form ohne auszumachende Ursache beim Erstauftritt der Schlafstörung.

Im weiteren Verlauf entwickelt sich allerdings bei etwa 65% aller Betroffenen eine Lewy-Körper-Demenz oder Morbus Parkinson. Aus diesem Grund wird das Schenck-Syndrom auch als erstes Symptom bzw. Vorläuferstadium für diese beiden neurodegenerativen Erkrankungen angesehen.

Es können allerdings Jahrzehnte vergehen, bis nach erstem Auftreten der REM-Schlaf-Verhaltensstörung Parkinson oder Demenz in Erscheinung tritt. Wichtig ist auch, dass man sich bewusst macht, dass das Vorliegen des Schenck-Syndroms nicht zwangsläufig bedeutet, dass sich eine neurodegenerative Krankheit anschließen wird.

Schenck-Syndrom: Symptomatische REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Wenn eine symptomatische REM-Schlaf-Verhaltensstörung festgestellt wird, tritt die Parasomnie in Verbindung mit einer bereits bestehenden Erkrankung auf, welche als Ursache für das Schenck-Syndrom zu werten ist.

Eine symptomatische REM-Schlaf-Verhaltensstörung tritt häufig auf, wenn bereits eine neurodegenerative Vorerkrankung vorliegt. Dabei kann es sich u. a. um Multisystematrophie (MSA), das PANS-Syndrom, Lewy-Körper-Demenz oder Morbus Parkinson handeln.

Schenck-Syndrom: Akute REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Bei der akuten Form des Schenck-Syndroms tritt die Parasomnie nur vorübergehend (passager) auf. Ursächlich für eine akute REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann eine Vergiftung zum Beispiel mit Alkohol oder Antidepressiva (MAO-Hemmer, SSRI, trizyklische) sein. Ein akutes Schenck-Syndrom kann auch im Rahmen eines Entzuges auftreten.

Generelle Informationen zur Ursache des Schenck-Syndroms

Wie bereits weiter oben im Artikel erwähnt, soll falsch gefaltetes Alpha-Synuclein ursächlich für das Auftreten des Schenck-Syndroms sein. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Synucleinopathie (Bezeichnung für eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen).

Normalerweise ist das Protein Synuclein verantwortlich für die Dopaminbildung. Im Zuge einer genetischen Veränderung kann es beim Synuclein zu einer Fehlfaltung kommen, bei der seine Sekundärstruktur unter Entstehung von unlöslichen Eiweißkomplexen zerstört wird. Die Bildung von Dopamin reduziert sich im Zuge dessen. Außerdem lagert sich das falsch gefaltete Alpha-Synuclein innerhalb der Nervenzellen im Hirnstamm ab und blockiert dort wichtige Areale.

Bedingt durch die Alpha-Synuclein-Ablagerungen kommt es zu einer Abschaltung der Prozesse im Hirn, die normal für die Hemmung der Motorik während der Schlafperiode sorgen. So wird es möglich, dass die im Traum erlebten Ereignisse durch Bewegungen und Lautäußerungen aktiv ausgelebt werden können.


Wie wird das Schenck-Syndrom diagnostiziert?

Für die Diagnostik des Schenck-Syndroms kommen zumeist eigens dafür zusammengestellte Fragebögen zum Einsatz. Zusätzlich findet auch die bisherige Krankengeschichte Berücksichtigung. Nicht selten werden auch Angehörige – insbesondere Partner / Bettnachbarn – befragt, um herauszufinden, ob diese Beobachtungen gemacht haben, die für das Vorliegen des Schenck-Syndroms sprechen.

Ergibt sich daraus ein eindeutiger Verdacht auf eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung erfolgt eine konkrete Untersuchung im Schlaflabor. Mithilfe der im Schlaflabor durchgeführten Polysomnografie lässt sich das Schenck-Syndrom in der Regel eindeutig diagnostizieren.


Wie wird das Schenck-Syndrom behandelt?

Aktuell gibt es noch keine Therapie zur Heilung des Schenck-Syndroms, so dass lediglich an den Symptomen bzw. an deren Linderung gearbeitet werden kann.

Durch Medikamente können die Symptome des Schenck-Snydroms behandelt werden.Wenn ein idiopathisches Schenck-Syndrom vorliegt, erfolgt heutzutage in erster Linie eine medikamentöse Behandlung durch den Einsatz von Clonanzepam. Dieses aus zur Medikamentengruppe der Benzodiazepine zählende Mittel hat beruhigende und Muskel relaxierende Effekte. Die Einnahme erfolgt vor dem Zubettgehen, damit das Arzneimittel seine Wirkung im Schlaf entfaltet und damit für eine reduzierte Muskelaktivität während des Traumschlafes sorgt. Clonanzepam kann in der Regel auch über Jahre eingenommen werden, ohne dass ein Verlust der Wirkung zu befürchten ist.

Durch die Einnahme von Clonanzepam kann es zu Nebenwirkungen kommen, wobei u. a. Schwindel, Gangunsicherheit, Muskelschwäche oder vermehrte Müdigkeit auftreten kann.

Einige Betroffene, die unter der idiopathischen REM-Schlaf-Verhaltensstörung leiden, sprechen auch sehr gut auf die Einnahme von Melatonin als Behandlung an. Das Melatonin sorgt in diesem Zusammenhang dann auch dafür, dass die Atonie der Skelettmuskulatur wieder hergestellt wird.

Zusätzlich zur Einnahme von Medikamenten kann es zur Therapie der REM-Schlaf-Verhaltensstörung auch sinnvoll sein, vor dem Schlafengehen Entspannungsübungen durchzuführen.

Um zu verhindern, dass Betroffene sich selbst verletzen, wenn sie im Schlaf um sich treten oder schlagen, empfiehlt sich eine vorbeugende Absicherung des Schlafbereichs: Stolperfallen wie Teppiche, spitze Gegenstände und scharfe Ecken/Kanten sollten aus dem Schlafzimmer entfernt bzw. im Schlafzimmer eliminiert werden. Ein Gitter am Bett kann den Betroffenen vor dem Herausfallen schützen.

Wer unter dem Schenck-Syndrom leidet, sollte nachts besser alleine schlafen, um zu verhindern, dass der Bettnachbar ungewollt verletzt wird. Idealerweise findet das Schlafen in getrennten Schlafzimmern statt. Wenn eine räumliche Trennung nicht möglich ist, empfiehlt sich zumindest das Aufstellen von zwei Einzelbetten mit ausreichend Abstand, um für mehr Sicherheit zu sorgen.



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Ulrich Carsten

Zertifizierter Bettenfachberater mit dem Schwerpunkt Matratzen in unserem Online-Shop Betten.at und seit 2011 Chef-Redakteur im Betten.at-Schlafmagazin.

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